Satower Land e.V.
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Wasserschloß Gnemern
Aus dem Großtessiner See bei Groß Tessin fließt in Richtung Norden, vorbei an Klein Sien (früher Klein Tessin) bis nach Gnemern der Seebach.

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Gutshaus aus dem Jahre 1685SchlossteichSüdostansichtVor dem Gutshaus


Hier versickert er in kleinen, mehr oder weiniger entstellten Meliorationsgräben. Früher floss der Bach weiter in Richtung Norden, bog dann bei Radegast nach Osten a. Der dort aus den Wiesen auftauchende Bach heißt Tessenitz und war, wie die Wortwurzel zeigt, wohl die Fortsetzung des aus dem Großtessiner See kommenden Bachs. Die Tessenitz mündete – heute durch Meliorationsgräben verhindert – in die Beke, und die Beke schließlich trifft in Schwaan auf die Warnow. Die Tessenitz taucht in den frühen Urkunden als Duznizha aus. Sie umfloss in Gnemern eine Halbinsel, die nach einer Aufschüttung die Umwandlung in eine Insel erfuhr, nachdem sie zur Anlage eines befestigten Rittersitzes auserkoren wurde. Gnemern ist wegen der natürlichen Lage an einem Fluss – üblicherweise wurde vom Bach zum Burggraben eine künstliche Verbindung hergestellt – die einzige Wasserschlossanlage in Mecklenburg. In Vorpommern existiert dazu noch die Burg Klempenow, die Gnemern durch ihre geschichtliche Bedeutung in den Schatten stellt. Im Mittelalter war das Wasserschloss noch eine Wasserburg, mit Zugbrücke, gemauertem Turm und vielleicht einer Vorburg.

Im Mecklenburgischen Jahrbuch Band 1 Urkunde 296 wird im Jahre 1223 das erstemal ein Heinrich de Gnemare erwähnt. Aus dem MUB 4 II. Personenregister S. 180 vom Jahre 1223 erfahren wir, dass Heinrich Ritter bei Borwin, Preen auf Gnemare, der Verwalter von Gnemern ist. Er war Lehnherr und Versall (Verwalter) des Fürsten Borwin. Borwin ließ die Burg errichten.

Die Wasserburg ist im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich belegt. Sie wurde damals vom Adelsgeschlecht der Preen bewohnt. Es folgten im 16. Jahrhundert die Fineke. Beide waren ritterschaftliche Familien, die über Jahrhunderte die Geschichte des Landes mitbestimmt hatten, deren Namen heute in Mecklenburg jedoch nicht mehr existieren. 1525 ist Achim Fineke Herr zu Gnemern. Er und sein bedeutender Bruder Jasper Fineke bereisten mit Herzog Heinrich V. 1509 den Reichstag zu Worms. Jasper Fineke war einer der beiden Hofrichter des Herzogs, trug maßgeblich zur Entstehung der ersten mecklenburgischen Polizeiordnung von 1516 bei und war als Rat des Herzogs häufig Mitglied in Schiedsrichterausschüssen, wenn die herzoglichen Brüder sich nicht einigen konnten. Er war einer von sechs Rittern, die 1523 die Union der Stände verfassten, die Urkunde des Ständestaates. Fast dreihundert Adlige unterzeichneten damals eine Urkunde, die garantierte, dass Mecklenburg trotz staatlicher Teilung bis 1918 immer ein einiges Land bleiben sollte.


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Nach den Fineke folgten die Revelow. Die Revelow hatten u. a. das wenig entfernte Ziesendorf. Danach kam Gnemern an die Vieregge, die zwischen Güstrow und Laage begütert waren (Rossewitz), dann an die Oertzen, eines der bedeutendsten mecklenburgischen Adelsgeschlechter, und schließlich an die Raven. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Gut starke Beschädigungen und ging, wie viele Güter in Konkurs. Es geht die Mär, das Wallenstein hier getraut wurde, doch mit wem und warum gerade hier, ist nicht zu ergründen. Dies lässt aber vermuten, dass Gnemern eine kleine Kapelle gehabt hat. Ansonsten zog das Kirchenvolk aus dem ganzen Umkreis in die Pfarrkirche Berendshagen. Die alte Burg, auf der kaum noch jemand gewohnt haben dürfte, wechselte im Krieg mehrfach den Besitzer.

Im Jahre 1661 gelangte das Gut an den Obristen Hans Wilhelm von Meerheimb; er stammte aus Halle/Saale und war mit Eleonora von Oertzen aus Mecklenburg verheiratet. Hans Wilhelm war Sohn des Heinrich Mehr, der es in Kursächsischen Diensten vom Trompeter zum General gebracht hatte. Mehr wurde unter dem Namen "von Meerheim" in den Adelsstand erhoben. Seinen ältesten Sohn, nämlich o.g. Obristen, erhob Kaiser Leopold am 10. August 1661 unter dem Namen "von Meerheimb" in den Reichsfreiherrenstand.

1676 brannte Gnemern entgültig aus. Hans Wilhelm von Meerheimb und seine Gattin Eleonora von Oertzen, wohl nicht schlecht bei Kasse, beschlossen, ein neues Haus aufzurichten. Es entstand zwischen 1682 und 1685. Dies alles verrät uns die epitaphe Inschrift über dem Portal, neben der auch die Wappen der beiden Familien eingemeißelt sind. Wie üblich wurden auch ältere Bauten in diesen Neubau mit einbezogen. Auch die Grundmauern der mittelalterlichen Wasserburg wurden berücksichtigt. Die ganze Anlage war noch auf einer Insel und verwies auf die alte Burganlage.

Die Meerheimb erwarben im Laufe der Zeit mehrere kleine und große Güter für Ihre Familie. Darunter waren Klein Nienhagen, Groß Belitz, Brütz, Groß Gischow und Klein Gischow, Reinstorf und eben Wokrent. Zwei Söhne des Gnemener Schlossbauherrn, nämlich Helmut Joachim auf Wokrent und Jasper Friedrich auf Gnemern wurden 1727 in den mecklenburgischen Adel "recipirt", d.h., sie als "Ausländer" wurden den alteingesessenen Geschlechtern (Maltzahn, Bülow, Moltke, Bassewitz usw.) rechtlich gleichgestellt. Die Meerheimb haben 1945 nahezu dreihundert Jahre auf Gnemern gesessen. Dann wurden sie enteignet. Ein Zweig der Familie ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Schleswig-Holstein heimisch geworden.

Die Entwicklung des Gutes Gnemern ähnelt in bezug auf die Landwirtschaft der geschichtlichen Entwicklung anderer Rittergüter in Mecklenburg. Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts arbeitete die Landwirtschaft nicht mehr nur für die Selbstversorgung. Durch den Übergang zur Mehrfelderwirtschaft wurden mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie zum Beispiel Roggen, Weizen, Malz, Hopfen, Ochsen, Schweine, Schafe, Wolle usw. erzeugt. Die Überschüsse wurden wegen der zu erzielenden hohen Preise ausgeführt.


www.wasserschloss-gnemern.de


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