Satower Land e.V.
|Kontakt| Impressum|
Kirchen Gutshäuser Natur Ausstellungen Betriebe 
Kirchruine mit Parkanlage in Satow
Im Jahre 1219 schenkte Fürst Borwin I. dem westfälischen Kloster Amelungsborn das Gut Satow, womit in die bisher wendische Gegend germanische und christliche Kultur getragen wurde. Man möchte kaum glauben, dass das heutige Dorf Satow, das in malerischer Landschaft eingebettet ist, einmal als "locus horroris et vastae solitudinis", also als ein "Ort des Schreckens und der unheimlichen Einöde" bezeichnet wurde, wie es in einer Urkunde aus dem Jahre 1224 geschrieben steht.

Klicken Sie auf eines der Bilder und Sie kommen zur Galerie-Großansicht
LanghausLanghausSüdportal im LanghausSüdportalJoch im Innenraum


Die wegen ihres Fleißes und Könnens bekannten Zisterzienser Mönche ließen sich dadurch nicht schrecken und begannen gleich nach der Schenkung mit dem Bau einer Kirche. Wahrscheinlich wurde sie auf der Stätte des alten Heiligtums errichtet, das dem wendischen Gott Radigost, dem Freund der Fremden und Gäste, geweiht war. Darauf weist noch heute der Name des benachbarten Ortes Radegast hin.
1224 war der Bau in vollem Gange. Der Priester und Mönch Stephan wird in einer Urkunde aus diesem Jahr als besonders eifrig erwähnt. (Bis zur Auflösung des vom Kloster Amelungsborn gegründeten Tochterklosters Doberan im Jahre 1522 wurde Satow von diesem verwaltet.)

Wie an der jetzt noch erhaltenen, Efeu umrankten Ruine zu sehen ist, wurde die Kirche in frühgotischem Stil aus Feldsteinen unter Verwendung von Backsteinen für Portale, Fenster und Innengliederung errichtet. Bedeutsam ist das Portal des Langhauses, das ähnlich dem Südportal des Güstrower Doms kunstvoll mit Schaftringen an den Rundstäben verziert ist.
Der Innenraum war umwölbt und das Schiff besaß zwei Joche. Im Mauerwerk blieben profilierte Gewändeportale aus Backstein erhalten. Von der Einrichtung existiert nur noch die Kuppa einer Granittaufe aus dem 13. Jahrhundert.

Da "Mauerfraß" die Ziegelsteine befallen hatte, bröckelte im Laufe der Jahrhunderte immer mehr von den Gewölben und Grundmauern ab. Wegen bestehender Einsturzgefahr wurde als Ersatz eine neue Kirche auf dem Kirchberg errichtet, deren Weihe 1867 erfolgte. Nach ihrer Fertigstellung wurde das über 600 Jahre alte, ehrwürdige Gotteshaus für 425 Taler auf Abbruch verkauft. Was noch irgendwie zu gebrauchen war, wurde zu Geld gemacht.
Anfang der achtziger Jahre des 19. Jh. wurde auf Anordnung des Großherzogs Friedrich Franz II. der weitere Abbruch gestoppt. So blieb dieses Stück gestalteter Kultur- und Glaubensgeschichte erhalten. Vor ca. 10 Jahren wurde dem weiteren Verfall durch eine Balkenkonstruktion Einhalt geboten, mit dem Ziel das älteste Zeugnis kirchlicher Baukunst in der Region eines Tages zu sanieren.

Der alte Friedhof, der die Kirchruine umgibt, hat im Laufe der Zeit durch Einebnung und Umpflanzung einen parkähnlichen Charakter bekommen. Neben Denkmälern für die Opfer der Kriege 1870/71 und 1914/18 hat dort auch der 1930 aus den Schuttmassen geborgene, alte Taufstein Aufstellung gefunden. Um die in der Parkanlage errichtete Freilichtbühne wird alljährlich Anfang September das Parkfest ausgerichtet. Auch verschiedene Open-Air-Konzerte haben dort schon stattgefunden.


www.satow.de


< Zurück zur Karte